Ich wünsch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Glück für 2012.
Ich wünsche mir vom Weltuntergangsjahr, dass alles mit meinem Studium klappt wie ich mir das vorstelle: Stipendium, Masterbeginn im HS12, Vollzeitstudium für die zwei Masterjahre, ein Praktikum in einer auf Stresserkrankungen spezialisierten Klinik, eines am Psychologischen Institut. Dass ich eine nette WG finde und sich das mit dem finanziellen Loch im Sommer klärt.
Ich wünsche mir viel Spass und Erfolg für den Fachverein und in meinem neuen Job.
Ich wünsche mir Gesundheit für mich und meine Lieben.
Und ich wünsche mir – das ist fast der wichtigste Wunsch – eine netten Kerl kennen zu lernen, mit dem ich endlich eine langfristige Beziehung haben kann. Das vergangene Jahr war unergiebig und anstrengend in diesem Bereich.
Falls Letzteres nicht möglich ist, nehme ich auch einen Schalter, mit dem ich meine Gefühle nach Belieben an und ab schalten kann. Das wäre praktisch.
Es müsste ja nicht so sein. Ich könnte ja einfach übers Semester lernen. Dann wär der Stress kurz vor den Prüfungen nicht so stark, dass ich eine regelrechte Prüfungspsychose entwickle. Anders kann ich das nicht bezeichnen. Mein Lieblingssymptom ist die Derealisation, “eine zeitweilige oder dauerhafte abnorme oder verfremdete Wahrnehmung der Umwelt” (Wikipedia). Das sind die selstamen Momente, wo meine Realität sich mit den Inhalten aus exzessivem Lesen und Serien schauen (als Ausgleich zum exzessivem Lernen) mischt und ich für einen Augenblick nicht mehr weiss, was nun mein richtiges Leben ist.
Im Moment bin ich froh, wenn ich es auf den Nachmittag ins Fachvereinsbüro schaffe, dort einige Stunden lernen kann, anschliessend heimgehe, was esse, noch ein paar Stunden Serien schaue. Mag mit niemandem reden, schlafe schlecht, zu spät, zu unruhig, zu lange.
Der Zustand ist nicht unangenehm. Er ist einfach… speziell. Der enorme Druck setzt auch viel Energie frei. Aber wirklich gesund ist das ganze nicht. Beruhigend finde ich nur, dass andere mir von gleichen Problemen erzählen. Gibts überhaupt Studis, die brav übers Semester lernen und KEINEN Last-Minute-Lernstress haben?
Mein Kopf fällt auseinander. Noch 5 Tage.
(Und nur weil ich an etwas selber Schuld bin, ist es nicht einfacher zu ertragen.)
Bisher sind wir in der Schweiz ja drum rum gekommen, was inbesondere für anonyme Blogschreiber praktisch war. Kürzlich überflieg ich einen Newsletter und da ist es: Impressumspflicht auch für die Schweiz.
Ich würde eigentlich gerne zwischendurch über spannende Sachen aus meinem Studium berichten, leider ist das immer etwas aufwändig. Ich muss die komplexen Zusammenhänge für Laien runterbrechen und will natürlich auch so genau wie möglich berichten, was oft für einen Blogbeitrag ausgedehnte Recherche bedeutet.
Nichtdestotrotz. Im letzten Beitrag hab ich erwähnt, dass mir das wissenschaftliche Schreiben (noch nicht) so liegt. Das ist auch so, weil ich nur hier im Blog regelmässig schreibe, und dann sehr persönlich. Wissenschaftliches Schreiben ist nun mal nicht persönlich oder “emphatisch“, wie meine Kunstgeschichtsdozentin meinen Stil bezeichnete. Es werden Fakten oder Untersuchungen anderer dargelegt, da gibt es wenig Platz für persönliche Gefühle. Also werde ich das üben, hier, mit Beiträgen zu – wie ich finde – spannenden Fakten aus dem Bereich der Psychologie.
Ich möchte betonen, dass ich die Informationen nach bestem Wissen und Gewissen und mit der nötigen Sorgfalt wiedergebe. Trotzdem bin ich nicht unfehlbar und es können sich Fehler einschleichen. Soll mich einfach niemand verklagen, falls das mal der Fall sein sollte. ;-) Wenn ich von “uns” spreche, meine ich übrigens meistens “uns Studierende”. :-)
Heute gehts um die Diagnosesysteme ICD und DSM, genauer gesagt eine kleine Schwäche des DSM.
Als Psychologen sind wir im Studium und in vielen Bereichen der psychologischen Arbeit mit den zwei grossen Diagnosesystemen konfrontiert.
Das ICD steht für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems und wird von der WHO herausgegeben und betreut.
Bei uns gilt es als Praktiker-Diagnosesystem, weil die Schweizer Krankenversicherungen damit arbeiten. Jeder Bericht eines therapeutisch arbeitenden Psychologen enthält also die Codierung des ICD.
Das DSM steht für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders und wird von der APA, dem American Psychological Association, der grösste Amerikanische Berufsverband der Psychologen, herausgegeben.
Das DSM gilt als Forschungsdiagnosesystem. Für alle international veröffentlichten Arbeiten muss das DSM berücksichtig werden.
Bei unseren schriftlichen Arbeiten müssen wir beide Diagnosesysteme verwenden.
Wozu Diagnosesysteme? Kurz gesagt, sie erlauben Differentialdiagnosen. Alle Dr. House-Fans werden wissen, was ich meine. Man stellt Symptome fest, wie lange sie andauern, wie ausgeprägt sie sind, darauf basierend stellt man eine Diagnose oder schliesst andere Erkrankungen aus.
(Das Interessante ist nun – Ohoh, gerade vergeht mir die Lust am Schreiben. Aufwändig! Nicole, halt durch! Weiter!)
Beide Systeme, vor allem aber das DSM sind deskriptive, also beschreibende Systeme. Das DSM versucht weitgehend, auf ätiologie- und theoriebezogener Terminologie zu verzichten. Auf gut Deutsch: Es geht um Symptombeschreibung, Ursachen oder Theorien wie es zu diesen Symptomen kam sollen aus dem Diagnosesystem rausgehalten werden.
Das ist aus Forschersicht natürlich eine löbliche Sache. Die Frage, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war, ist nicht so banal, wie sie klingen mag. Wir Menschen neigen dazu, Muster zu suchen und uns Erklärungen für alles Mögliche auszudenken. Diese Erklärungen können falsch sein.
Das Interessante ist nun, das DSM sieht sich also als ein Diagnosesystem, dass Ursachen und Theorien zu den Störungen ausklammert. Dennoch beschreibt das DSM auch Stressbedingten Störungen. Und bei denen kann man die Ursachen nicht ignorieren, die definieren sich ja gerade dadurch. Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) setzt zum Beispiel ein traumatisches Erlebnis voraus, das im DSM wie folgt definiert wird:
(1) die Person erfuhr, beobachtete oder war konfrontiert mit einem oder mehreren Ereignissen, die tatsächlichen oder drohenden Tod, tatsächliche oder drohende ernsthafte Körperverletzung oder eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit von einem selbst oder Anderen einschloss.
(2) die Reaktion der Person schloss starke Angst, Hilflosigkeit oder Grauen ein.
Gibt es also kein traumatisches Erlebnis als Ursache, kann keine PTSD diagnostiziert werden. Da haben die DSM-Task-Forces also noch ein bisschen was zu tun.
Solche Spitzfindigkeiten werden uns zum Glück im Studium erklärt, und ich finde, sowas schärft das eigene kritische Denken.
Ich hoffe, meine Erklärung war verständlich und mein Punkt wurde klar. Gäb noch viel mehr zu erzählen, aber jetzt hab ich definitiv keine Lust mehr. Das artet ja sonst noch in Arbeit aus. :-)
Irgendwann nahm ich es dann plötzlich schon ein wenig persönlich. (OK, ich gebs zu, ich nehme so Zeug immer persönlich, was mir das Leben deutlich schwerer macht als nötig, aber bisher ist mir noch keine bessere Umgangsart damit eingefallen.)
Letzten Freitag war ich am Nachmittag im Fachvereinbüro, schrieb an meiner schriftlichen Arbeit, die ich am Dienstag würde abgeben müssen. Thema Lukasbild. Finde ich sehr spannend, leider kam ich wie immer nur langsam und sehr mühsam voran. Wissenschaftliches Schreiben scheint mir einfach nicht zu liegen. Um 23:26 Uhr verliess ich endlich das Büro. War dann zu spät für den direkten Zug nach Winterthur und nahm einen, der über Zürich HB fuhr. Kein Problem, dort muss ich nur aussteigen und auf der anderen Seite vom Bahnsteig in den nächsten ankommenden Zug. Zu Hause konnte ich bis 3 Uhr Nachts nicht schlafen.
Samstag lief ähnlich ab, eine Kollegin war aber noch mit mir im Büro. Weil sie auf der anderen Seite von Zürich wohnt, entschied ich mich, sie bis zum HB zu begleiten. Statt also den direkten Zug um 23:29 Uhr nahm ich den über HB um 23:33 Uhr. Um 23:50 Uhr blieb der im Tunnel bei Stadelhofen stecken. Irgendwann kam die Durchsage, es gebe eine Stellwerkstörung. Jetzt muss man wissen, dass es an dem Tag ein wenig geschneit hat, allerdings war nichts liegen geblieben. Wie ich als ÖV-Benutzerin (Öffentlicher Verkehr für alle Nicht-Schweizer) in den letzten Jahren festgestellt hatte, hat die SBB IMMER am ersten richtigen Schneetag massive Probleme mit dem Fernverkehr. Aber wegen den paar Flocken im Tunnel stecken zu bleiben? Lächerlich. Tja, leider gibts bei Stadelhofen öfters Probleme. So gegen 0:45 Uhr kam dann die Durchsage, der Zug werde evakuiert. Samstagabend war der natürlich ziemlich voll. Alle machten sich also auf den Weg zum letzten Waggon und wir liefen die 600 m zurück zum Bahnhof Stadelhofen. Ich war froh, weil ich das Unglück hatte, neben zwei nervigen Typen zu sitzen. Normalerweise würde ich solche MMO-Metal-Nerds mögen, aber mit ihrem dummen Gequatsche gingen sie mir an dem Abend so gründlich auf die Nerven, dass ich sie am liebsten erwürgt hätte.
Zurück am Bahnhof hiess es, wir sollten Taxis vollbesetzen und dann die Rechnung zum SBB-Schalter bringen. Es gibt verschiedene Gründe, wieso ich das nicht wollte. Ich hatte sowieso nur 20.- Fr. dabei, wollte nicht mit Wildfremden verhandeln, wer jetzt bezahlt, wollte nicht mit der SBB um die Rückerstattung streiten… Ganz unlustig fand ich die Information des Auskunftspersonals, dass über Oerlikon alle Züge normal verkehren würden. Da kam ich gerade her, danke vielmals dass ihr mir unter die Nase reibt, dass ich besser den Zug vier Minuten früher genommen hätte. Die kommenden Stunden waren seltsam. Ich bestieg einen Bus zum Hauptbahnhof, schloss mich einer IV-Rechtsanwältin und zwei Zugbegleiterinnen an, gemeinsam bestiegen wir dann um 2 Uhr den Nachtzug. Der fährt über Stadelhofen, was angeblich wieder passierbar war. Schreckminute, als im Tunnel der Zug nochmal an der gleichen Stelle stehen blieb wie zwei Stunden vorher. Doch es rauschte ein anderer Zug vorbei und weiter gings. In Winterthur bestieg ich den Nachtbus und überzeugte den Buschauffeur, dass ich keinen Nachtzuschlag zahlen wollte, weil ich regulär heimgekommen wäre. Klar, es sind nur 5.- Fr., aber bei armen Studenten zählt bekanntlich jeder Rappen, ausserdem sah ich wirklich nicht ein, warum ich den Zuschlag zahlen sollte. (Für alle Nicht-Schweizer: Freitag- und Samstagnacht verkehren stündlich Nachtzüge zwischen den wichtigsten Städten. Darum geh ich oft in Zürich in den Ausgang, um 1, 2, 3 und 4 Uhr fährt ein Nachtzug. Um die benutzen zu können, muss man einen Nachtzuschlag zahlen, auch wenn man wie ich ein GA besitzt – Generalabonnement, gilt für fast alle Züge, Busse, Trams, Schiffe in der Schweiz. Find ich OK, weil meist vermehrt Personal mitfahren muss, man kann sich vorstellen, dass um die Zeit viel betrunkenes Partyvolk unterwegs ist.)
Weils mit der Arbeit nicht so vorwärtsging, war ich von diesem Zwischenfall ziemlich fix und fertig. Am Sonntag machte ich nicht viel mehr, als fernzusehen. (Jaja, *urks*.)
Am Dienstag dann die nächste Nervenprobe, die ich nur knapp überstand. Wie man sich denken kann, war ich knapp dran mit der Fertigstellung meiner Arbeit. Da ich kein Typ für Nachtschichten bin, stand ich um 6 Uhr auf und startete eine Stunde später meinen PC, um das Schlusswort zu tippen und die Arbeit für den Ausdruck vorzubereiten. Den würde ich an der Uni machen, die Druckqualität eines Kopierers ist nun mal viel besser als die von meinem Laserfarbdrucker. Literaturverzeichnis und Abbildungsverzeichnis hatte ich auch schon vorbereitet und musste das noch einfügen. Nur das ich mich nicht in mein Konto einloggen konnte. Ob ich mein Passwort vergessen hätte, fragte mich der Compi ständig. Weil ich keine Nerven hatte, loggte ich mich im Gastkonto ein und arbeitete dort. Leider kam ständig eine störende Meldung und auch sonst schein der Compi nicht ganz reibungslos zu funktionieren. Ich liess mich aber nicht davon stören und arbeitete munter weiter. Irgendwann als ich etwas online nachsehen wollte fiel mir auf, dass die Internetverbindung weg war. Ich holte also mein Netbook und recherchierte damit. Arbeiten konnte ich nicht damit, erstens ist es zu klein um richtig gut arbeiten zu können, zweitens hab ich nur Openoffice da drauf, damit wären vermutlich mein Layout zerstört worden. Tja. Und dann kam der Moment, wo ich die Arbeit abspeichern wollte. Auf einem USB-Stick. Der nicht erkannt wurde.
Hier darf man sich jetzt eine verzweifelte Nicole vorstellen, deren Herz ganz laut und fest in der Brust pocht und der ziemlich schlecht ist vor Panik.
Ich brannte die Arbeit auf eine CD, wobei ich nicht weiss, wo in der Uni man CDs auslesen kann. (Weiss ich mittlerweilen.) Bekanntermassen hilfts bei Windows, den Computer neu zu starten. Als ich mich wieder in meinen normalen Account einzuloggen versuchte, gab ich wahllos einige Passwörter ein. Und stellte fest, dass ich es kürzlich geändert, diese Tatsache aber total vergessen hatte. Mein irres Lachen tönte ungefähr so:
OK, immerhin eine gute Nachricht. Ich begann also, die letzte noch verbliebene Aufgabe, das Titelbild vorzubereiten. Ich nehme immer die Vorlage vom Kunsthistorischen Institut, geb der Arbeit aber gerne eine persönliche Note mit einem Titelbild. Als ich so friedlich am Zuschneiden des Bildes bin… geht mein Computer plötzlich aus! Wird schwarz! Und startet zwar, wird aber gleich wieder schwarz!
VERDAMMTE KISTE! Das macht sie normalerweise nur, wenn ich Apple-Programme geupdatet hab. Dann muss ich eine eine halbe Stunde warten, anschliessend startet sie wieder normal. Dass sie einfach so rumzickt, war noch nie vorgekommen. Und ausgerechnet in dem Moment! Ich versuchte, nicht die Nerven zu verlieren und räumte stattdessen etwas auf. Nach einer halben Stunde funktionierte alles wieder.
Was mich am meisten ärgerte: Durch diesen Computerzwischenfall musste ich eine letzte Seminarstunde schwänzen. Ich schaffte es einfach nicht mehr rechtzeitig nach Zürich. War mir etwas peinlich, all den anderen Teilnehmern entgegen zu laufen, zum Glück war ich in meinen Winterklamotten gut getarnt. Hab mich dann nachträglich bei der Dozentin abgemeldet. In einem der Kopierräume konnte ich schliesslich die Arbeit wie gewünscht ausdrucken und im Kunsthistorischen Museum deponieren. Als ich um sieben Uhr wieder zu Hause ankam, fiel ich ins Bett und schlief bis am nächsten Morgen.
Heute hätte ich noch an die letzte Diagnostikvorlesung gehen sollen. Stattdessen verbrachte ich den Tag schwitzend und frierend und schlafend im Bett. Hat mich doch prompt noch im unpassendsten Moment eine Erkältung erwischt.
Ich hoffe wirklich, dass die Pechsträhne endlich fertig ist und Murphy ein anderes Opfer traktiert. Und das nächste Mal mach ich meine schriftliche Arbeit wirklich früher fertig!
Vor einigen Wochen sass ich wie immer am Dienstag in meinem Proseminar zum Thema “Erinnerungskultur”. Die Referentin liess ein kleines Künstlerbüchlein aus der Zentralbibliothek rumgehen.
Bei meiner Recherche zu meinem Vortrag fand ich zufälligerweise raus, dass dieses Büchlein 3800 $ wert ist…
Heute werde ich schreiben müssen, als ginge es um mein Leben (tatsächlich gehts nur um mein Studium), und gerade scheint es mir ein guter Einstieg zu sein, einfach frisch von der Leber weg zu schreiben, da wo ich immer so schreiben kann wie ich grad mag, nämlich hier. Auch wenn ich eigentlich gerade einkaufen oder mich schminken oder meine Haare föhnen oder meine Sachen zusammensuchen sollte. Aber zur Zeit lähmt mich das “sollte”.
Dann war da noch…
… die Psychoparty. Die grosse Party meines Fachvereins. Wo ich notfallmässig im OK einspringen musste und diverse Leute anschnauzen. Am Ende kam alles gut und die Party war ein Erfolg. Das Schönste für mich war, dass ich sie sogar geniessen konnte, rumlief, ständig auf Leute traf die ich kannte und begrüssen konnte, dann weiter wie ein Schmetterling. So wünsch ich mir mein Leben und bin immer wieder etwas erstaunt, wenn es so ist.
… die Sache mit der Eigenverantwortung. “Hirntot” war das Wort der letzten Monate. Offensichtlich ist Eigenverantwortung, mitdenken, weiterdenken, zu Ende-denken kein Standardfeature bei Menschen. Das fiel mir vorher nie auf, als ich selber zu den Leuten gehörte, die enstpannt auf die Anweisungen warten konnten, was sie zu tun haben. In meiner jetztigen Managerposition (bin ich ein CEO?) fällt mir das auf. Plötzlich macht es Sinn, dass Wikipedia von 10% der User gepflegt wird. Vermutlich läuft die ganze Welt, weil 10% sich was überlegen und dann mamimässig haarklein erklären, was zu tun ist.
Ich komme mittlerweilen besser klar damit. Wenn man das mal erkannt hat, kann man sich das zunutze machen. Man pickt sich die spannenden Teile der Arbeit raus, recherchiert, plant. Dann erteilt man klare, detaillierte Anweisungen. Und lässt los. Am Ende muss die Aufgabe erledigt sein, dabei ist es nicht so wichtig, wie das Ziel erreicht wurde. Ich arbeite nun daran, eine Milde zurück zu bekommen. Einen Groll zu enwickeln, nur weil andere nicht so (schnell) mitdenken, ist sinnlos. Verschwendete Ressourcen. Persönlichkeitsentwicklung im Schnellverfahren.
… die Professoren von der Institutsversammlung. Mir ist klar, dass sie auch nur Menschen sind. Aber verdammt, ich mach mir immer noch fast in die Hose, wenn ich mit ihnen rede. Oder gar was sage während der Sitzung.
… meine Kündigung. Nach 10 Jahren habe ich endlich bei der TWD gekündigt. Nun verschlägst mich in meine alte Heimat, zur gleichen Druckerei, wo auch meine Schwester arbeitet. 2012 wird die Welt vermutlich nicht untergehen, für mich wirds aber ganz sicher ein turbulentes Jahr.
… konkretere Zukunftspläne. Masterplan: Bachelor im FS12 abschliessen. Da ich bis Ende Juni 50% und anschliessend 20% angestellt bin, würde ich gerne Juli/August einen Teil der 12 Wochen Praktikum absolvieren. Vorzugsweise in einer psychiatrischen Klinik, die auch mit Burnout- und Angstpatienten arbeitet. Einfach mal einen Einblick erhalten, welches Klientel mich interessiert. Anschliessend mit Hilfe eines Darlehens (18’000 Fr. maximal, ich weiss noch nicht, wie ich davon leben soll…) den Master in zwei Jahren abschliessen. Mittlerweilen ist auch die Idee eines Doktorats nicht mehr ganz so abwägig.
… der Herbstdurchhänger. Ich fühl mich schwer und gehe und denke und lebe langsam. Mein Datingleben ist auf Eis, mein soziales Leben eingeschränkt. Bin am liebsten zu Hause, für mich, mit niemandem reden, einfach stundenlang Serien glotzen. Nicht gut, nicht gut. Ich versuche, lieb zu mir zu sein.
… die Zeit. Die scheint weniger zu werden. Ständig. Jetzt muss ich mich wirklich bereit machen.