Splätterlitheater, der Bericht

Ja, das Splätterlitheater. Ich wollte schon früher davon berichten, doch dann war so unglaublich viel los übers Wochenende.

Justine und ich trafen uns am Donnerstag um 18 Uhr beim BurgerKing hier in Winterthur, seines Zeichens gleich gegenüber vom Gaswerk, wo das Theater stattfinden würde. Nach fast zwei Stunden ernsthafter und lustiger Gespräche machten wir uns zu unserem Ziel auf.

Das erste, was mir vor dem Gaswerk auffiel: Wir waren eindeutig zu farbig. Sämtliche Gestalten vor dem Gaswerk trugen entweder Schwarz in grösseren Mengen oder zumindest gedeckte Farben. Ich fiel da ausnahmsweise nicht sonderlich auf, im Gegensatz zu Justine, die als Heilpädagogin natürlich nicht unbedingt in komplettem Schwarz in der Schule auftauchen sollte/kann. Ausser an Halloween, verkleidet als Hexe *g*.

Unten im Keller war eine Kasperlibühne aufgestellt und sanftes Meerrauschen täuschte über die Action hinweg, die schon bald in diesem Raum stattfinden würde. Da wir uns in die zweitvorderste Reihe gleich vor das Kasperliloch setzten, ging Justine vorsichtshalber noch zwei Regenschütze (ist das korrekter Plural?) an der Kasse kaufen. Schliesslich war überall in Print, Web und an der Kasse ein Blutbad angekündigt worden. Anfangs kamen wir uns noch etwas komisch vor, doch als die Show dann losging, waren auch alle anderen Leute in den vorderen Reihen in gelbe, pinke oder blaue Plastikhüllen ähm… eingehüllt. Für die übrigen sollten sie eigentlich noch Buttons verteilen: “Zu cool für einen Regenschutz.”

Als erstes stellte sich einer des Teams vorne hin und verkündete die notwendigen Sicherheitshinweise. In der Hand hielt er eine grosse Flasche Kunstblut. Dieses Kunstblut “könne man auswaschen… aus fast allen Materialien” (Stühlerucken im hinteren Teil), und sie würden am heutigen Abend rund zwei Liter Blut ins Publikum spritzen. Natürlich hätten sie mittlerweilen ziemliche gut Uebung und die passenden Spritzwerkzeuge, um auch die hinteren Reihen zu treffen. Sie hielten dann später Wort.

Die Geschichte beginnt mit dem Kasper, der ziemlich betrunken die Bühne betritt. Erst lallt er etwas rum, um uns dann anzubrüllen: “Ich sag es nur einmal Kinder, und dann nie wieder: Seit ihr alle da?”

Anschliessend erzählt er irgendwas über seine kleine, ruhige Privatinsel. Doch diese Ruhe währt nicht lange: Ein Flugzeug rast der Erde zu. Natürlich trifft es den Kasper, der darauf das Zeitliche segnet. Das Spiel beginnt.

Aus dem Flugzeugwrack hört man einen alten Schlager, irgendwas “Flieg nicht so hoch, kleiner Vogel”. Ein Mann versucht mit Schlägen im Cockpit das Radio auszuschalten. Dummerweise erwischt er das Funkgerät. Schon herrscht Unsicherheit im Publikum, ob wir versehentlich in der 3. Staffel “Lost” gelandet sind. Eine amerikanische Tante, deren Name ich bis zum Ende des Stückes nicht mitbekomme, kämpft sich aus den Trümmern. Roberto (Blanco?) entschuldigt sich, dass er das Funkgerät zerstört hat, und schlägt vor, ein wenig zu singen. Ali Talibani stellt sofort klar, dass er nicht Schuld am Absturz sei, weil der viel zu früh stattgefunden hat. Ausserdem sucht er den Fernzünder für seinen Sprengstoffgürtel. Der kleine Eugen lässt schon den ersten Klugscheisserspruch los. Die Flightattendant mit Engelshaar versucht die übrigen Fluggäste zu beruhigen.

Weil Eugen rumnervt, bietet ihm Ali Talibani einen spitzen Schraubenzieher aus seinem Handgepäck an, und schickt ihn los, etwas aus den Trümmern zu basteln. Plötzlich wird die Flightattendant von einem Schwarm blutrünstiger Schmetterlingen angegriffen. Die Splätterli können einen Menschen in nur 1.38 Minuten bis aufs Blut abnagen. Mit einem Schwung werden die Haare der Frau nach vorne geworfen, und es offenbart sich ein schrecklich entstellter Totenkopf. Gleichzeitig bekommt das Publikum die erste Blutdusche.

Nach dem dahinscheiden der Flightattendant entscheiden sich die restlichen Erwachsenen, auf die andere Seite der Insel zu gehen (Lost?). Eugen vergessen sie beim Flugzeug. Der wird jedoch von einem durchgeknallten Missionar entdeckt, der wie Bulleteye aus Daredevil ein Kreuz in die Stirn geätzt hat. Ich erwartete an dieser Stelle einen Kinderschä*nderwitz, doch das scheint in der heutigen Zeit sogar für ein Splätterlitheater zu heftig zu sein. Eugen folgt den Erwachsenen.

Die drei haben mittlerweilen die obere Ebene der Insel erreicht. Dort fällt Roberto in ein tiefes Loch. Zur Verwunderung aller überlebt er z. Die amerikanische Tante ist ganz aufgeregt und findet, dass man Roberto helfen solle. Ali bietet sein Handgepäck zur Rettung an: Ein Teppichmesser und eine Handgranate. Nicht wirklich hilfreich. Auf die Frage, warum er sowas in seinem Handgepäck mit sich trage, zuckt er nur die Schultern und meint: “Hu?”

Dank einer Liane kann Roberto gerettet werden. Die Männer wollen weitergehen, doch die amerikanische Tante -von Ali Talibani nur “Digge Frau” genannt- ist müde. Sie möchte sich ein wenig ausruhen. Die Männer beschliessen, mal weiter zu gehen und die Gegend auszukundschaften.

Die Tante bleibt also alleine zurück. Da taucht neben dem Berg hinter ihr plötzlich ein schwarzhäutiger Kannibale auf, komplett schwarz und mit einem grossen Knochen im Haar. Er pirscht sich an die Tante ran, beide kreischen los. Er: “Uga, uga!”. Sie: “Der Mann meiner Träume!” Sie schmeisst sich gleich an ihn ran und fordert ihn auf: “Knabbere ein wenig an deiner Tante *hier der Name*”. Macht der Kannibale natürlich gerne, und das Publikum bekommt seine zweite Blutdusche. Der Kopf der Tante wird fachgerecht vom Körper abgetrennt und alles in einem grossen Kochtopf gekocht. Der Missionar kommt hinzu und lobt Sonntag, das habe er gut gemacht. Die zwei gehen weg.

Roberto und Ali Talibani kommen zurück. Von der Tante ist weit und breit nichts zu sehen. Doch da steht ein Topf mit feinem Fleisch drin. Ali will, dass Roberte zuerst probiert, weil es Schweinefleisch sein könnte. Vorsichtig kostet er schliesslich selbst und findet das Fleisch gut, vielleicht ein wenig fettig.

Den nächsten Teil weiss ich nicht mehr so genau, ich glaube, der Missionar kommt und erzählt den beiden, dass es einen McDonalds im Dorf auf der anderen Seite der Insel gibt. Ali ist ganz Feuer und Flamme bzw. scharf auf Pommes Frites. Allerdings hätte den zwei Männern schon etwas unheimlich werden sollen, als sich die Rückseite des Berges als Totenschädel in bester “Piraten der Karibik”-Manier zu erkennen gibt.

Während sich Roberto in die Büsche schlägt, geht Ali weiter. Roberto trifft dann auf Sonntag, mit dem er einen riesigen Joint raucht. Der Missionar kommt und kündigt Sonntag an, dass Jesus in seiner Rüstung vom Himmel steigen werde. Roberto verzieht sich mit dem Rest der Tüte in die Büsche.

Ali erreicht das Dorf. Was er erst für ein Zeichen Satans hält, entpuppt sich als gefälschtes McDonalds-Symbol. Ali will das ganze Dorf in die Luft sprengen. Da kommt Eugen. Er hat mittlerweilen fertig gebastelt, einen riesigen Kampfroboter. Sonntag hält diesen für Jesus. Ali bedroht Eugen, übernimmt das Kommando über den Kampfroboter und will Amerika zerstören. Doch erst kommt die Insel dran, genauer gesagt der Missionar. Schliesslich hatten die beiden zuvor einen heftigen Streit, wer grösser ist, Jesus oder Allah. (“Jesus ist der Grösste!” – “Allah ist immer zweimal grösser als Jesus” – “Jesus ist immer dreimal grösser” – “Allah ist der aller-, aller-, allergrösste, drauf gespruckt!”) Der Missionar wird vom Roboter also in seine Einzelteile zerlegt, dann macht er sich mit Ali auf den Weg Richtung USA. Als Ali weiter weg ist, erklärt Eugen dem Publikum, dass er während des bastelns etwas gefunden hat. Er halt den Fernzünder für den Sprengstoffgürtel von Ali Talibani hoch. Ein weiteres Blutbad folgt. Justine ist genau in der Spritzrichtung. *g*

Eugen nervt mal wieder rum. Nur noch er und Sonntag sind übrig. Da entdeckt er eine Pflanze, die er nicht kennt. Dummerweise handelt es sich um eine fleischfressende Pflanze, die sich sogleich an dem kleinen Jungen gütlich tut und ihn in 1.38 Minuten komplett auffrisst. Leider scheint er ihr nicht so gut zu bekommen, sie kotzt nämlich sein Skelet wieder aus.

Schlussendlich ist also nur noch Sonntag da, der findet, dass er nun wieder normal sprechen könne. Was er jetzt machen solle? Ich rechne mit einem Kommentar im Stil von: “Ah, da sind ja noch jede Menge Kinder, die ich essen kann!”. Stattdessen wischt sich Sonntag die Schuhcreme aus dem Gesicht und nimm seine Perücke ab: Er ist der Kasper. Der Kasper überlebt nämlich immer! Licht aus.

Wer genau mitgelesen hat, merkt, dass doch noch jemand übrige ist. Der Roberto. Völlig bekifft fällt er nochmal in das Loch vom Anfang. Endgültig Ende.

Unglaublich witzig und böse und blutrünstig wars. Die Puppen sind der Wahnsinn, ebenso wie die Bühnendeko. Schon bald führt das Splätterlitheater ihr neues Stück auf, und Justine und ich werden uns sicher mal nach Luzern verirren, um uns wieder eine Stunde schwarzen Humors mit dem Kasper anzutun.

In diesem Sinne: To be or splätterli.


5 Kommentare

Stefan
4 September 2007 um 23.13 Uhr

Hei, das ging aber schnell! Ich liebe web2.0 ;-) Besten Dank für den mehr als ausführlichen Bericht, ich habe mich schlappgelacht. Einfach wunderbar anti-pc! Nur eines habe ich nicht verstanden: Ist Splätterli in Winterthur oder Luzern? Oder müssen die nach jedem Auftritt den Ort wechseln?

Nicole
4 September 2007 um 23.21 Uhr

@Stefan: Web2.0 hat ausnahmsweise weniger damit zu tun, mehr meine Schreiblaune ;-)

Diese Aufführung fand im Rahmen der Musikfestwochen Winterthur hier im Gaswerk statt. Stammspielplatz ist wohl das UG – Luzerner Theater gemäss ihrer Website: http://www.myspace.com/splaetterlitheater
Die Leute sind auch aus Luzern :-)

Stefan
9 September 2007 um 0.33 Uhr

Besten Dank für die Info. Mal schauen – wenn ich das nächste Mal nach Luzern komme…
…ziehe ich mir vielleicht den Plastiksack über :-)

Chaschperli
9 September 2007 um 20.43 Uhr

Also liebe Nicole,
die Tante, deren Name Du bis zum ende des Stücks nicht mitgekriegt hast, heisst “Tante Eli”. Damit wär nun auch dieses mysterium gelöst. Der Chaschperli bedankt sich für diesen sehr ausfürlichen Bericht und freut sich, dass es Dir/Euch gefallen hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten mal und vergesst nicht… “to be, or splätterli”

Dein Chaschperli

Sonntag
11 September 2007 um 11.00 Uhr

Uga, Uga! sehr schöne zusammenfassung. Neues Stück “S’Gheimnis vom Zirkus Makabre” am 2/3/7/8/9 November in Luzern. http://www.luzernertheater.ch

Das Theater heisst natürlich LuZerner Theater, hab den Link noch angepasst. ;-)

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