Nicole goes Frankfurt, 1. und 2. Tag
Am Montag war ich ziemlich im Stress, weil ich gleich nach der Entwicklungspsychologievorlesung in den Zug Richtung meine Eltern steigen sollte. Da angekommen pickte mich mein Vater am Bahnhof auf. Er hatte einen kleinen Zügellaster gemietet, mit dem wir am folgenden Tag alles nötige für die Messe nach Frankfurt bringen wollten. Wir fuhren also in den Schwarzwald.
Geplant war ja, kurz in der Firma vorbei zu schauen, so dass ich den Chef meines Vaters kennen lernen konnte. Er würde am Mittwoch dann zu uns stossen und mit uns an der Messe sein. Tatsächlich mussten wir dann bis 21 Uhr warten. Dann schnell ins Hotel im Nachbarsdorf sausen, damit wir dort noch was zu Essen bekamen.
Der Empfang im Il David war sehr herzlich. Mein Vater ist ein gerngesehener und geschätzter Gast, der leider viel zu oft da seine Zeit verbringen muss, weil es im Moment so viel Arbeit gibt. Die Angstellten sind aber unheimlich nett und das Ambiente des kleinen Hotels herrlich. Ich hab mich noch nie so wohl gefühlt in einem Hotel, auch wenn das Zimmer sensationell klein war *lach*.
Am nächsten Tag mussten wir dann in aller Herrgottsfrühe aufstehen (5.45 Uhr *uah*). Draussen schneite es. Na toll. Als wir um halb Sieben in der Firma eintrudelten, WAREN SCHON EINE MENGE LEUTE AM ARBEITEN! Ich betone das so, weil bei uns bis 8.30 Uhr tote Hose ist im Büro.
Tja, da denkt man dann: “So eine Messe, das ist sicher nicht so anstrengend, einfach den ganzen Tag am Stand rumstehen.” Was man aber nicht bedenkt, weil man es auch gar nicht wissen kann: Dass dieser Stand erst einmal eingerichtet werden muss. Dazu benötigt es Möbel, und die müssen ja auch erst mal in einen Laster eingeladen, wieder ausgeladen und zusammengebaut werden. Die meisten Ausstellungsmöbel bestehen aus viel Glas, dass natürlich geputzt werden muss. Dann kommen die Exponate rein, auspacken, putzen, zurechtrücken. Küche einrichten, Kaffee auspacken, Kekse, Erdnüsschen, Kaffeetassen, Mineralwasser. Tisch aufstellen, putzen, Stühle hinstellen, noch mal den Boden saugen. Um 11 Uhr kamen wir ungefähr an, um 18 Uhr waren wir ungefähr fertig. Ich zumindest war fix und fertig. Manchmal komme ich an meine Grenzen, dann brauch ich einfach eine längere Pause, sonst bin ich unausstehlich. Gestern hatte ich gar kein Interesse an meinem tollen Hotelzimmer, nur an den Früchten die als Willkommensgruss dalagen und daran, einfach eine halbe Stunde hinzuliegen und zu schlafen.
Anschliessend sind mein Vater und ich in ein griechisches Restaurant. Eine gemischte Vorspeisenplatte mit Ouzo wurde da beworben. Dummerweise hatten wir übersehen, dass es sich nicht wie gewohnt um 2 cl handelte (was einem kleinen Schnapsglas entspricht), sondern um 0.2 Liter! Der Keller stellt also ein kleines Fläschchen mit Ouzo zwischen uns auf den Tisch, bringt noch jede Menge Eiswürfel und etwas Wasser. Wir haben das Fläschchen tapfer gekillt und ich fiel gestern nur noch tot ins Bett.
Heute dann dachte ich: „So eine Messe, das ist sicher nicht so anstrengend, einfach den ganzen Tag am Stand rumstehen.“ Was ich nicht bedacht hatte, weil ich es auch gar nicht wissen oder mir vorstellen konnte: Nach einigen Stunden fangen die Füsse an zu schmerzen. Diverse Körperteile nervten ja von gestern noch mit Muskelkater, und meine Füsse wurden im Verlaufe trotz zweimaligem Schuhwechsel zur Hölle auf Erden. Kam hinzu, dass mein Vater und ich um 14 Uhr Mittagessen gehen wollten. Dummerweise kam genau da ein Bekannter des Chefs, und wir konnten ja nicht einfach davonlaufen. Der gute Mann blieb fast zwei Stunden, die Messe macht um 18 Uhr dicht. Wir sind dann um 16 Uhr noch was essen gegangen, wobei es mir bei weitem nicht um die Nahrungsaufnahme ging, sondern einfach nur darum, endlich mal eine längere Zeit am Stück sitzen zu können. Meine Aufgabe besteht nämlich neben die Gäste mit Kaffee oder Mineralwasser zu versorgen darin, die Handschleifspindeln der Firma zu präsentieren. Dafür gibt es einen echt hübschen Arbeitsplatz, leider ein Steh-Arbeitsplatz. Ich schleife also immer mal wieder an einem Kupferstahlklotz herum und erkläre Interessenten die Vorzüge der Handschleifspindeln der Firma L.
Gerade kam ich vom Abendessen mit Chef und Dad. Dabei haben wir folgendes herausgefunden: Ich hatte mich ja für dieses Semester als Mentorin für einen Austauschstudenten an der ZHAW Winti beworben und auch einen zugeteilt bekommen. Während der Einführungswoche für die Incomings gab es auch einen „Buddy-Apero“, wo wir die anderen Mentoren (Buddies genannt) kennen lernen konnten. Eine davon, K., war sehr nett und lud mich und meinen Incoming zu einem Brunch in ihrem Elternhaus ein. Das ist in Ermatingen, direkt am Bodensee, der helle Wahnsinn. Tja, und der Chef meines Vaters –der irgendwo im Schwarzwald wohnt- hat das Grundstück neben K.s Elternhaus gekauft, ist also quasi ihr Nachbar. *lach* Die Welt ist einfach verdammt klein.
Sehr spannend war auch, als uns M. der Chef von seinen Reisen nach Ostberlin erzählt hat. Ich bin ja von dieser Teilungs- und auch Wendezeit sehr fasziniert. Muss mich unbedingt mehr darüber informieren. Das tollste daran finde ich, dass mir Leute im Alter meines Vaters von der Zeit vor der Wende erzählen können. Im Moment ist das quasi noch gelebte Geschichte.
Und jetzt werde ich noch kurz etwas strebern, und einen Text aus dem Nebenfach lesen. Dann ist Schlafenszeit, morgen wieder früh (6.45 Uhr) raus
Schlagworte: abend, dad, eltern, gefühl, mittag, morgen, schlafen, stress
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