*grrrr* Mein Hörsaal war heute besetzt!

Das komische Leintuch am Deutschen Seminar (Hört auf zu lernen, beginnt zu begreifen. Oder so.) hätte mich ja warnen sollen, dass was nicht stimmt. Ich komme an der Uni an, nähere mich dem Haupteingang zum KOH-B-10 und bin leicht irritiert, weil Leute an der Tür stehen. Mein Blick fällt auf ein kleines, unscheinbares Unischild, dass die Vorlesung heute im RAI stattfindet. Also rauf zur nächsten Computerstation und den Situationsplan studieren, dann ins andere Gebäude rüber gehetzen. Stehe ich ja total drauf. *grrr*

In den Zeitungen steht gross, die Uni Zürich sei besetzt. Tatsächlich handelt es sich lediglich um den grössten Hörsaal, der vor allem von den Psychologen genutzt wird. Die Hörsaal-Disposition wird wohl gerade Ueberstunden machen. Einige der Protestler schlafen sogar da, das würde ich nicht mal gegen Geld machen.

Weil mir der Protest eher am Allerwertesten vorbeigeht, hab ich mir all zu ausführliche Recherchen diesmal erspart. (Wen das wirklich interessiert, kann auf der Site der Zürcher Studierendenzeitung die Vorgänge mitverfolgen.) Die Forderungen sind wohl unter anderem, dass diePräsenzpflicht abgeschafft wird. Das hat meine volle Unterstützung. (Und wohl auch die der Dozenten, könnte ich mir denken.) Wenn nur noch drei Studierende in den Vorlesungen und Seminaren hocken, wären einige Dozenten vielleicht endlich gezwungen, ihre Lehrkonzepte zu überdenken. Von den Folien ablesen kann ich auch selber.

Für morgen ist der neue Hörsaal wenigstens bereits im Netz abrufbar.

Das einzig Gute an der Geschichte: Ich hab mal wieder was Ausgefallenes zu erzählen. *grummel*


3 Kommentare

Monsieur Croche
20 November 2009 um 13.26 Uhr

Ich stand der Besetzung zuerst auch eher ablehnend gegenüber, aber ich würde trotzdem mal vorbeischauen, lohn sich.

Was studierst du, wenn ich fragen darf? Ich studiere Politologie und musste, weil ich eine Prüfung in der Assessmentstufe nicht bestanden habe, nun extra ein Jahr warten, um dieses Modul zu wiederholen. Das finde ich ziemlich mühsam und es ist leider auf Bologna zurückzuführen. Eine Forderung der Besetzer ist u.A. auch, dass das Studium wieder flexibler werden soll. Ich würd’s jedenfalls ziemlich begrüssen…Du bist voll zufrieden mit deinem Studium?

lg

Nicole
20 November 2009 um 14.07 Uhr

@Monsieur Croche: Oh, ich guck ab und zu vorbei, und einige der Forderungen finde ich durchaus berechtigt, und NATUERLICH bin ich nicht vollauf zufrieden mit meinem Studium.

Ich studiere Psychologie, bei uns gilt das gleiche für die Assessmentstufe, Wiederholung erst im nächsten Jahr möglich. Angesichts des vielen Stoffes finde ich das durchaus OK. Ab dem Aufbaustudium wäre aber die Möglichkeit zur Nachprüfung angebraucht. Eine Kollegin hat Psychopathologie nicht bestanden und muss das ganze Studium um ein Jahr verlängern. Wenn wir weniger lang studieren sollen, sollte es möglich sein, zeitnahe (also in den Semesterferien) eine Nachprüfung schreiben zu können. (Gerade fällt mir übrigens ein: In der Psychologie war es mit dem Jahr Wartezeit bereits im Liz-System so.)

Im Nebenfach hab ich unter anderem Erziehungswissenschaft. Wie überall werden ständig Unterrichts-Evaluationen gemacht (Feedback der Studierenden), wie gemunkelt wird, werden die Resultate aber seit langem von den Dozenten ignoriert. Ist klar, wenn Anwesenheitspflicht besteht und alle da sein müssen, braucht man sich als Dozent keine Mühe zu geben, die Studierenden zu fesseln. Wenn nur noch drei Leute da sitzen, sähe das vielleicht anders aus. Ausserdem hat nicht jeder so einen superflexiblen Nebenjob mit Festanstellung wie ich…

Ich finds halt etwas schade, dass sich Leute bemühen, z.B. als StuRa-Mitglied was zu bewegen, und wenn ein paar Leute laut sind und einen Hörsaal besetzen, können die plötzlich kurzfristig mit dem Direktor reden. (Wobei ich mich ja frage, wieviel das wirklich bringt.) Als StuRaler würde ich mir da verarscht vorkommen. Und dann lese ich noch bei der Studierendenzeitung (siehe Link im Beitrag), die StuRaler seien alle austauschbar mit ihren Slogans. Klar, ist natürlich einfacher, zu kritisieren oder Stunk zu machen, als selber beizutreten und zu versuchen, was zu verändern.

Uebrigens: In der ZS wird ja sehr motiviert von den angeregten Diskussionen berichtet. Finden die wirklich so statt? Wenn ich reinguckte, waren jeweils kaum Leute da…

Nicole
20 November 2009 um 14.08 Uhr

Ui, die Antwort wurde ja viel länger als geplant. *g*

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