Gerade aus “Über dieses Blog, Nicole und den Cast” den Satz “Leidet unter Migräne…” gestrichen.
Tue ich zwar immer noch, aber statt mindestens 6 schlimme bekomme ich noch maximal 2 leichte Anfälle pro Monat (und manchmal nicht mal die). Das ist schon fast nicht mehr erwähnenswert.
(Und damit dieses Blog endlich so positiv wird wie ich mich schon länger fühle, gleich noch eine neue Kategorie: “freude”. “dark me” wird kaum noch gefüttert, zumindest nicht mehr so wie früher.)
28. Januar 2010 um 18.38 Uhr
Eh klasse, so etwas habe ich schon mal ab und zu von meinem Psychdings gesagt bekommen, sich die schönen Dinge des Tages wiederholen und sich daran erfreuen.
29. Januar 2010 um 10.22 Uhr
@Willi: Ich hab ja vor einiger Zeit am Zürcher Stärkenprogramm mitgemacht, wo unter anderem wissenschaftlich untersucht wurde, ob es das Wohlbefinden steigert, wenn man sich jeden Abend die guten Ereignisse des Tages ins Gedächtnis ruft. Ist also so, hat dein Psychdings (*grins*) ganz Recht.
29. Januar 2010 um 11.02 Uhr
Jo denn…
Funktioniert es für Dich??
Irgendwannn bin ich mal selbst auf den Trichter gekommen, und habe das so richtig zum Ritual gemacht.
Es ging eine Weile gut, bis dann wieder mal eine sehr anstrengende Zeit kam, und dieses Ritual mit bestem Willi nicht mehr funktioniert hat.
Ich kam mir vor als wolle ich mir mit Gewalt etwas schönreden.
Und so ging dann die Spirale los, seit Vorgestern bin ich vorübergehend frühpesioniert.
Da könnte man auch wieder sagen: zum Glück bin ich Beamter, es könnte ja noch viel schlimmer sein.
Also habe ich jetzt Zeit zu schönreden…….
29. Januar 2010 um 11.34 Uhr
@Willi: Ja, ich finde schon, dass es funktioniert. Natürlich nicht immer gleich gut, ich hab auch schlechte Tage wo es mir schwer fällt und mich nichts wirklich aufheitern kann.
Das ZSP hat die Untersuchung mit gesunden Menschen gemacht. Trotzdem sollte die Uebung auch bei psychisch angeschlagenen Menschen wirken. Ein Freund von mir war wegen starker Depressionen eine zeitlang in einer Klinik. Sein Psychiater hat ihm erklärt, es sei wichtig, dass er wieder lernt, sich zu freuen, das habe er nämlich durch die Depression verlernt. Sich positiven Situationen und Gefühlen auszusetzen gibt dem Gehirn die Möglichkeit, wieder zu lernen, entsprechende Glückshormone auszuschütten.
Das Problem ist ja: unser Gehirn ist dumm. Es kann Realität und Fantasie nicht unterscheiden. Wenn wir ständig über Negatives nachdenken, wird es entsprechene Hormone ausschütten und wir geraten unter Umständen in einen Teufelskreis in dem es uns immer schlechter geht. Aber genau diese Dummheit können wir wieder nutzen, um es zu überlisten. Wenn wir lächeln, auch wenn uns nicht danach ist, registriert das Gehirn diesen “Gesichtszustand” und fängt an, Glückshormone auszuschütten. Wenn wir an positive Dinge denken, die uns Freude bereiten, passiert dasselbe.
Mit Schönreden sollte die Uebung aber nichts zu tun haben. Es geht darum, ehrliche Freude/Dankbarkeit für etwas zu empfinden.
Jeder Tag hat etwas Gutes, manchmal ist es halt einfach klein und unauffällig: Eine Katze, die man kurz auf dem Nachhauseweg streicheln konnte, ein schönes Detail an einer Hauswand, das einem heute aufgefallen ist, die Zufriedenheit, wie aufgeräumt heute die Küche aussieht, dass man es geschafft hat, morgens überhaupt aufzustehen…
Und ob das jetzt die ultimative Lösung für alles ist? Keine Ahnung…
Kürzlich hat jemand geschrieben und gefragt, wie ich es gschafft habe, dass es mir heute so viel besser geht als noch vor einem Jahr. Ich würde sagen: Ich hatte grosses Glück, einen guten Therapeuten zu finden, mit dem ich gut zusammenarbeiten kann. Ich hatte die Kraft und den Willen, mich mit mir und meinen Problemen auseinander zu setzen. Und dann gab es tausend kleine Details, die sich zusammenfügten. Die ultimative Lösung gibt es nicht, das stellen wir in der Selbsthilfegruppe immer wieder fest. Für den einen ist diese Methode perfekt und er erzielt super Fortschritte, für den anderen nützt sie gar nichts. Es ist schwierig. Ich bin jedoch der Ueberzeugung, dass in meinem Leben, egal wie schlimm es wird, sich alles zum Guten wendet. Das ist mein Trost. Andere können vielleicht auf Gott vertrauen.
Aber noch was anderes: vorübergehend frühpensioniert? Musst du nach deiner Genesung wieder arbeiten gehen, oder wie geht das?
29. Januar 2010 um 11.34 Uhr
Uah, das wurde viel länger als beabsichtigt. Und irgendwie schleimig. Egal. So fühl ich es halt.
29. Januar 2010 um 13.10 Uhr
Hi Nicole
Was ist:
Ich bin Beamter bei der EU, die hier ein Forschungsinstitut betreibt.
Hier kommt dann Forschung und Verwaltung auf eine sehr unangenehme Weise zusammen und ergibt eine sehr anspruchsvolle Umgebung. Es gibt Menschen, die mehr Begabung haben kreativ und wissenschaftlich zu arbeiten, Andere wieder haben mehr Talent für die Verwaltungsarbeit, selten aber es gibt sie wirklich, Kollegen die Beides beherrschen und dabei auch noch menschlich sind. Wie gesagt selten.
Dazu kommt, es ist eine internationale Organisation, wo entsprechend auch die nationalen Eigenheiten eine tragende Rolle spielen.
Die eigentliche Forschung ist super spannend, und darin bin ich völlig aufgegangen, so daß ich eigentlich nicht mehr gemerkt habe was sonst noch so geht.
Irgendwann habe ich dann feststellen müssen wie die Kollegen angefangen haben eigene Wege zu gehen, indem sie meine Arbeiten angefangen haben zu sabotieren, meine Erfolge aber sich gerne zu eigen gemacht haben.
Es hat plötzlich unheimlich Energie gekostet und das war auch der Punkt wo ich keine Erfolge und die schönen Dinge des Lebens nicht mehr wahr genommen habe.
Ich habe deutlich gemerkt, daß da was gründlich schief geht, und ich bin wie es die Lemminge tun in das Loch.
In der EU gibt es die tollsten Beschreibungen über Harassment, Vertrauensleute oder Mediation.
Ich habe versucht die so angebotene Hilfe für meinen Fall in Anspruch zu nehmen, aber es wurde immer eingestellt.
Dann kam auch irgendwann auf: Geh doch in Frührente, ich habe mir das einreden lassen, und habe immer mehr die Panik bekommen.
Auch der Spruch: Wir haben alles für Sie getan hallt mir in den Ohren, aber all meine Versuche die verfahrene Situation aufzulösen wurden gestoppt.
Irgendwann habe ich dann erfahren, daß der oberste Betriebsarzt aus Luxemburg dafür verantwortlich war.
Aber ich bekam dazu gesagt: Ist ja alles gar nicht wahr, mach Du erst mal Therapie.
So hat man mir die Schuld alleine zugeschoben, die schöne Welt darf ja keine Kratzer bekommen.
Jetzt ist dann für zwei Jahre Pause, und dann wird überprüft wie es steht.
Ich muß zusehen wie ich von diesem üblen Trip runter komme.
Katze füttern, Radfahren, Tinnitus ertragen und einige andere Wehwehchen die so in dieser heftigen Zeit sich eingestellt haben.
Therapie, Probleme lösen………….
Nicole lesen!
30. Januar 2010 um 16.53 Uhr
@Willi: Oh, Mobbing. Scheissthema. Eine liebe Freundin von mir hat das auch durchgemacht, zweimal nacheinander. Haressment-Regelungen und Vertrauensleute sind schön und gut, die Realität sieht anders aus. Ich kenne mich mit der Mobbingthematik nicht aus, aber alle davon betroffenen Leute die ich kenne fanden ihre Ruhe und – viel wichtiger – ihr Selbstvertrauen, erst wieder nach einem Stellenwechsel und einer langen Erholungszeit. Insofern sind die zwei Jahre Pause sicher eine gute Sache.
Ich verstehe soetwas einfach nicht. Warum hacken Leute auf anderen rum? Warum sabotieren sie deren Arbeit? Warum machen sie solange weiter, bis die Person zusammenbricht?
Vor einiger Zeit habe ich mich gefragt, warum Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, bei ihren schlagenden Männern bleiben. Selbst wenn sie Kinder haben, die unter Umständen auch geschlagen werden. Eine Bekannte die davon betroffen war antwortete mir: “Weil der Kerl ja nicht Schuld ist. Du bist ja diejenige, die sich falsch verhält, die nicht gut genug ist, die sich nicht genügend Mühe gibt, die nicht richtig reagiert und es sogar herausfordert.” Vielleicht ist das ähnlich bei Mobbing. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt, ich werde mich bei Gelegenheit mal mit diesen zwei Themen beschäftigen.
Freut mich übrigens, dass es dir hilft, hier zu lesen.
Ich wünsch dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und Erfolg auf deinem Genesungsweg. *hug*
31. Januar 2010 um 18.22 Uhr
hug,
Der Indianer kennt keinen Schmerz.
Mobbing, oder wie immer man es nennen will wird sehr wahrscheinlich ein immer wichtigeres Thema werden in unserer Gesellschaft und auch schon eine etwas abgeriffene all zu oft benutzte Bezeichnung, sicher ein Betätigungsfeld mit Zukunft für Deinen zukunftigen Berufsstand.
Gewalt muß nicht immer körperliche Gewalt sein.
Das Andere ist sehr wahrscheinlich viel schädigender, schwerer rechtzeitig zu erkennen und nachzuweisen.
Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, und es hat mir nicht gut getan, obwohl ich auf dem Papier viele Rechte habe, kann ich sie nicht in Anspruch nehmen, weil…… .
Also auch da bleibt nichts mehr zu tun, weil Nachweise muß ich erbringen, aber da wird es die erprobten Widerstände geben und diese Energie habe ich nicht übrig um mich dieser zu erwartenden Niederlage auszuliefern.
Jedes Ende ist ein Anfang, aber da bin ich noch dabei die Wunden zu lecken.
Deine Seiten lese ich schon sehr lange, es ehrlich, kein tütü, es gibt Höhen und Tiefen, keine Anmache, einfach immer wieder erfrischend und gut.
Mach weiter so.
Viele Grüße
Willi