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How to: Ein gutes erstes Date

Wie schon erwähnt, hab ich mich vor einiger Zeit bei OkCupid (http://www.okcupid.com) angemeldet. Die Online Dating-Plattform wurde von Mathestudenten vom MIT programmiert. Ich war mal über ihr Blog OkTrends (http://blog.okcupid.com) gestolpert, wo sie tolle statistische Auswertungen der Benutzerdaten präsentierten. Wusstet ihr, dass Männer UND Frauen, die zu viel Haut auf ihren Profilfotos zeigen, weniger Nachrichten bekommen?

Ich aus den Beiträgen im Blog wusste ich, dass OkCupid über Fragen ein Matching-System hat, das wollte ich mir mal ansehen. Als ich entdeckte, wie viele Männer aus Zürich auf der Plattform sind, und wie witzig und interessant deren Profile sind, beschloss ich Online Dating mal wieder eine Chance zu geben. Die Freundeskreise meiner Freund hatten sich als nicht sehr ergiebig herausgestellt, vor allem sind die Männer leider meist deutlich zu jung.

Tja. Und dann gings also wieder los mit dem Dating. Meine Freundinnen schüttelten den Kopf oder lachten, weil wenn ich mal wieder aktiv werde, dann richtig. Und jetzt möchte ich ein paar meiner Erfahrungen mit euch teilen. Die Informationen und Ideen habe ich von diversen Websites und Büchern. Meine wichtigsten Ratgeber sind:

  • How to Make Someone Love You Forever! In 90 Minutes or Les von Nicholas Boothman. (Furchtbarer Titel, aber das Buch enthält wirklich gute Tipps, wie an sein soziales Leben verbessern kann.)
  • Die Date-Ratgeberseite von How about we einer anderen Dating-Plattform. Auf der ich übrigens nicht angemeldet bin. ;-) (http://www.howaboutwe.com/date-report/categories/advice)
schwaene

Lieber nicht bei einem langweiligen Date festsitzen.

Hier also meine Tipps:

Nicht nervös werden.
Ist natürlich leichter gesagt als getan. Mein Trick: Ich mach gleich noch ein zweites Date mit jemand anderem aus. Das nimmt den Druck und ich kann das Treffen mit dem ersten Mann viel entspannter angehen.

Etwas unternehmen!
Bei How about we kann man Aktivitäten vorschlagen und andere antworten, wenn sie daran interessiert sind. Meist bestehen die Vorschläge aus etwas Aufregendem und später einem Kaffee. Aus psychologischer Sicht ist das sinnvoll: Wir Menschen bilden Beziehungen vor allem durch gemeinsame Erlebnisse. Ich kenne Justine seit fast fünfzehn Jahren. Wir wurden beste Freudinnen, nachdem wir gemeinsam eine wilde Woche auf Mallorca verbrachten. Die Freundschaft ist bis heute eng und wir schwelgen immer noch manchmal in den Erinnerungen. Also, wenn der Vorschlag nicht vom anderen kommt, schlagt selbst etwas vor. Es muss ja nicht gleich ein Bungeejump sein, wie wäre es mit einer Partie Dart oder Billard, einem Museums- oder Zoobesuch? Ich habs noch nicht ausprobiert, das Technorama in Winterthur wäre aber sicher perfekt: An vielen Posten kann man Phänomene selbst ausprobieren. Da wirds nie langweilig und man hat viel zu entdecken. So eine Aktivität ist auch viel entspannender, man muss sich nicht ständig angestrengt in die Augen sehen und nach einem Konversationsthema suchen. Und wenn es nicht funkt zwischen euch, hast du wenigstens nicht deine Zeit bei einem langweiligen Date vergeudet, sondern was tolles erlebt.

Wenn sich das Treffen in einem Café nicht vermeiden lässt: Spätestens nach zwei Stunden das Lokal wechseln. Neue Eindrücke, etwas Bewegung zwischendurch, das wird das Gespräch neu beleben.

Warum es wichtig ist, das erste Date besonders zu gestalten.
Wenn ich diesen Tipp mit der Aktivität erzähle, kommt oft die Frage: “Warum sollte ich mir für ein erstes Date mit einem Wildfremden so viel Mühe geben?”
Wenn ihr was Tolles gemacht habt, werdet ihr euch daran erinnern. Ausserdem habt ihr eine tolle Geschichte zu erzählen, die auch eure Kinder gerne hören werden. (Falls ihr welche wollt. :-))
Und nicht zu vergessen: So ein aktives Date macht einfach mehr Spass. Es bietet die ideale Gelegenheit, mal wieder etwas zu machen, das man sonst immer herauszögert. Was mich drauf bringt, das nächste Mal schlag ich eine Stadtrundfahrt mit dem Touristenbus vor. :-D

Nach spätestens drei Stunden heimgehen. Auch wenn es gerade so interessant ist!
Also ich bin ja die Letzte, die sich daran hält. ABER dieser Tipp hat wirklich etwas. Manchmal läuft sich ein Date tot. Also ist es sinnvoll, sich an das alte Sprichwort zu halten, man solle gehen, wenn die Party am schönsten ist. Dann kann man ein Wiedersehen mit der Person auch kaum erwarten, was auch nicht schaden kann.

Was hab ich nur für einen Mist verzapft?
Ruhig bleiben. An was anderes Denken. Vermutlich kann er sich gar nicht mehr daran erinnern. Oder weisst du noch jedes Wort, dass er gesagt hat? Oder er fand es sicher nicht peinlich. Hat er was peinliches erzählt? Nein, also.

Darauf warten, dass er sich meldet.
Um nicht verzweifelt zu wirken, lassen Männer gerne mal zwei, drei Tage verstreichen. Ruhig bleiben und ablenken. Alles wird gut, und sonst wars einfach nicht der Richtige. :-)

Oft habe ich auch gelesen, man solle auf keinen Fall seinen Ex/seine Ex beim ersten Date erwähnen. Also mir wurde seltsamerweise jedesmal von der Ex erzählt, inkl. dem Grund für die Beendigung der Beziehung. Ich beschränke mich meist auf ein: “Wir haben einfach nicht zusammengepasst.” Die Antwort ist schön unverbindlich und trifft immer zu, sonst wär ich ja noch mit dem Mann zusammen.

Ich hoffe, das hilft irgendjemandem weiter oder war zumindest unterhaltsam zu lesen. Ich überlege mir nämlich eine Karriere als Selbsthilfebücher-Autorin. Oder so. *hahahahahaha*

Unter dem Sofa

Das Leben ist kein Sofa. (Bekannte Redewendung.)

Ich fiel zwischen mein Leben
Wie zwischen Sofaritzen
Doch dort unten
findet man bekanntlich nichts Gutes

Der Staub hatte sich auf einem Fotoalbum festgesetzt
Aus den gelbstichigen Gesichtern
klafften von Zigarettenstummeln
gerissene Münder

In der Ecke knurrte das Welpen
Es ist gross geworden
und bewacht eifersüchtig
angenagte Schnuller

Ich fand mein Lächeln wieder
und fragte mich
wann ich es vermisst
und dann vergessen habe

Ernährte mich
von angelutschten Hustenbonbons
und halbtoten Schmetterlingen
mit bleichen Flügeln

In den dunklen Nächten
Kuschle ich mich an den Hund
Der hoffentlich die Monster vertreibt
Die uns manchmal vom Bett her besuchen

Dazwischen

Der Spiegel zeigt ein austauschbares Gesicht
Heute Abend einen neuen Kopf aufgesetzt
Und das Denken
Zwischen die Zeilen fallen gelassen

Hängt das Bewusstsein an der hämmernden Musik
Das Bein mitten in der Bewegung
Wort für Wort ein Abgrund
Und keine Erinnerung

Das Leben zuckt durch die Adern
Zwei linke Hände bringens nicht weit
Keine Bedeutung
Nur Zukunft
Dazwischen

(Die Musik von Garbage gefällt mir nicht so sehr, ihre Videoclips dafür umso mehr.)

(Nachtrag am nächsten Morgen: Gerade fällt mir auf, dass ein ausgetauschtes kleines Wort einen Insider produziert. Wie lustig. *g*)

Wo die Gedanken sterben

In meinem Kopf ist ein Friedhof
Voller begrabener Träume
In meinem Kopf ist ein Gräberfeld

Das Sonnenlicht kämpft sich seinen Weg
durch die Blätter von alten Eichen
In meinem Kopf ist ein schöner Ort

Manchmal renne ich durch dunkle Korridore
Und hinter jeder Tür lauert ein Monser
In meinem Kopf ist ein dunkler Ort

Zwischen zwei Augenblicken stirbt ein Gedanke
Die Trauergemeinde tanzt entzückt
In meinem Kopf ist ein irrer Ort

Eine Frau hängt im Garten Wäsche auf
Ihrem Gesicht fehlen die Augen
In meinem Kopf zerfallen die Sekunden

Die Bilder stürzen von den Wänden
Zurück bleiben halbgesprochene Textzeilen
In meinem Kopf herrscht manchmal der Sturm

Und manchmal die Stille

Wer wir sind

Macht mich der Wind schwindlig
Kriecht der Nebel schon ins Tal
Ergreift mich ein unerwarteter Hunger
Nach deiner Haut

Ein Schritt nur
Schon hast du mein Gesicht vergessen
Der Himmel von Sturmwolken überzogen
Keine Geigen spielen mehr für uns

Der Fall tut schon fast nicht mehr weh
Die Flügel gebrochen
Verhallen die Lieder
Nur ein keuscher Kuss

Zwischen den letzten Blumen im Jahr
Versickert langsam mein Verstand
Sand in den Adern
Erinnerungen an Regentropfen im Kopf

Die leeren Strassen
Die Tage in Grautönen
Ändern nicht wer wir sind
Zwischen Gedanken

Internet, Stand 2008

Interessanterweise gefällt mir das Internet je älter ich werde und je weiter es sich entwickelt immer besser. (Ausser SPAM. Aber der stört mich neuerdings auch nicht mehr so.) Ich mag Blogsoftware, CMS, Facebook, deviantART, Wikipedia, LEO, Youtube…

Nur sozialer geworden bin ich dadurch nicht, eher das Gegenteil. Mittlerweilen gäbs ja einen Bloggy Friday in Zürich. Aber wenn man die anderen Schweizer Blogger nicht liest, macht das nicht so Sinn. Das war ja damals der Reiz am Chat-Treff, endlich mal die Leute in echt zu treffen, mit denen man sich so gut unterhalten konnte. Worauf das Interesse aneinander schlagartig abnahm. Aussehen spielt nun mal eine Rolle, immer.

Ich lese sowieso nur wenige ausgewählte Blogs, die die richtige Mischung an Unterhaltung (was für mich auch bedeutet: dass ich was lernen kann) und kurzen Texten bieten. Es gibt so viel zu entdecken und tun die ganze Zeit, da lese ich doch keine Romane. Schreiben noch eher. Auch wenn meine Themen zugegebener Massen nicht weltbewegend wichtig sind. Ich bin glaub ein Ego-Schwein. Die Welt dreht sich um mich. Andere Menschen sind nur sich bewegende Baumstämme. Gross dann die Ueberraschung, wenn der Schmerz aus ihnen herausbricht. Ich denke, deswegen ist Postsecret so erfolgreich. Weil wir einen kurzen Moment die grosse Angst eines anderen Menschen sehen können. Hinter die Hülle, die Maske, die unversehrt und gesund aussieht.

Die letzten Tage verbringe ich plötzlich unfreiwillig stundenlang vor dem Computer und beantworte Mail um Mail. Das kann ich grundsätzlich nicht kurz, ausser es geht drum, einen Termin zu fixieren. “Hi Süsse. Montag 18 Uhr ist OK, freu mich, bis dann. Nicole” liegt drin. Alles andere braucht komplexte Erklärungen oder löst Assoziationsketten aus. Kein Wunder, dass ich da nicht antworten mag.

Was für ein Glück, dass ich mit und im Internet arbeiten kann und darf.

Fremdsein

Heute Morgen war ich arbeiten. Auf dem Heimweg hatte ich wie meistens den mp3-Player an, und weil ich bisher noch nicht herausgefunden habe, wie man im Sansa e260 Playlisten erstellt, den Random drin.

Plötzlich “blieb mein Gehör am Text hängen” (um mal das “blieb mein Blick an etwas hängen” etwas zu modifizieren):

I had nothing to say
And I get lost in the nothingness inside of me
(I was confused)
And I let it all out to find
That I’m not the only person with these things in mind
(inside of me)
But all that they can see the words revealed
Is the only real thing that I’ve got left to feel
(nothing to lose)
Just stuck, hollow and alone
And the fault is my own, and the fault is my own

[chorus]
I wanna heal, I wanna feel what I thought was never real
I wanna let go of the pain I’ve felt so long
(erase all the pain till its gone)
I wanna heal, I wanna feel like Im close to something real
I wanna find something I’ve wanted all along
Somewhere I belong

And I’ve got nothing to say
I can’t believe I didn’t fall right down on my face
(I was confused)
Looking everywhere only to find
That it’s not the way I had imagined it all in my mind
(so what am I)
What do I have but negativity
cause I can’t justify the way, everyone is looking at me
(nothing to lose)
Nothing to gain, hollow and alone
And the fault is my own, and the fault is my own

[repeat chorus]
I will never know myself until I do this on my own
And I will never feel anything else until my wounds are healed
I will never be anything till I break away from me
I will break away, I’ll find myself today

[repeat chorus]

Linkin Park – Somewhere I Belong

Das hat mich wie eine Faust getroffen. Ich hab das Lied lange nicht mehr gehört, es gibt andere auf der CD, die mir besser gefallen, aber gerade jetzt, in diesem Moment stelle ich fest, wie sehr ich mich in diesem Lied wiedererkenne.

Vor zwei Tagen hab ich auf Postsecret diese Karte gefunden:

Liberty

Und einer meiner unveröffentlichten Beiträge enthielt den Titel oben und dieses noch unvollendete Gedicht:

Ich lebe täglich das Leben einer anderen Frau
Und wenn ich in den Spiegel sehe
Weiss ich nicht, wer das sein soll
Die da meinen Blick erwidert

Ich entschuldige mich immer wieder
Dass ich nicht sein kann wer ich sein möchte
Weil ich nicht weiss
Wer ich eigentlich bin

Seltsam, wie das alles zusammentrifft.

Worte

“Hast du eigentlich zwischen all diesen Worten jemals etwas gefunden?”
Ich schrieb den Satz zuende, setzte einen Punkt und beantwortete dann Beats Frage, ohne aufzusehen, um gleich weiterschreiben zu können: “Nein.”

“Was ist das denn für eine Frage?”, erklang Andreas pikierte Stimme, “Was soll sie denn zwischen den Worten finden?”

Komma, Punkt. Komma, Komma, Punkt.

Beat seufzte, als wäre das eine dumme Frage. Dennoch beantwortete er sie pflichtbewusst: “Alles Mögliche. Eine Welt. Ein Leben. Antworten. Sinn. Schönheit.”

Komma, Punkt. Komma, Punkt. Komma, Komma, Punkt. Punkt Punkt

Nein, ich hatte nie etwas gefunden. Vielleicht, weil da gar nichts war.