Zwischen all dem netten lächeln schlummert Dunkelheit in mir.
Wer bin ich, wenn ich schlafe?
Wer ist die Frau im Spiegel?
Manche Tage fühlen sich an,
als hätten die Strassenmusiker ihre Instrumente vergessen.
Oder als wäre gestern der Lieblingsautor gestorben.
In meinem Kopf ist ein Friedhof
Voller begrabener Träume
In meinem Kopf ist ein Gräberfeld
Das Sonnenlicht kämpft sich seinen Weg
durch die Blätter von alten Eichen
In meinem Kopf ist ein schöner Ort
Manchmal renne ich durch dunkle Korridore
Und hinter jeder Tür lauert ein Monser
In meinem Kopf ist ein dunkler Ort
Zwischen zwei Augenblicken stirbt ein Gedanke
Die Trauergemeinde tanzt entzückt
In meinem Kopf ist ein irrer Ort
Eine Frau hängt im Garten Wäsche auf
Ihrem Gesicht fehlen die Augen
In meinem Kopf zerfallen die Sekunden
Die Bilder stürzen von den Wänden
Zurück bleiben halbgesprochene Textzeilen
In meinem Kopf herrscht manchmal der Sturm
Und manchmal die Stille
Macht mich der Wind schwindlig
Kriecht der Nebel schon ins Tal
Ergreift mich ein unerwarteter Hunger
Nach deiner Haut
Ein Schritt nur
Schon hast du mein Gesicht vergessen
Der Himmel von Sturmwolken überzogen
Keine Geigen spielen mehr für uns
Der Fall tut schon fast nicht mehr weh
Die Flügel gebrochen
Verhallen die Lieder
Nur ein keuscher Kuss
Zwischen den letzten Blumen im Jahr
Versickert langsam mein Verstand
Sand in den Adern
Erinnerungen an Regentropfen im Kopf
Die leeren Strassen
Die Tage in Grautönen
Ändern nicht wer wir sind
Zwischen Gedanken
Interessanterweise gefällt mir das Internet je älter ich werde und je weiter es sich entwickelt immer besser. (Ausser SPAM. Aber der stört mich neuerdings auch nicht mehr so.) Ich mag Blogsoftware, CMS, Facebook, deviantART, Wikipedia, LEO, Youtube…
Nur sozialer geworden bin ich dadurch nicht, eher das Gegenteil. Mittlerweilen gäbs ja einen Bloggy Friday in Zürich. Aber wenn man die anderen Schweizer Blogger nicht liest, macht das nicht so Sinn. Das war ja damals der Reiz am Chat-Treff, endlich mal die Leute in echt zu treffen, mit denen man sich so gut unterhalten konnte. Worauf das Interesse aneinander schlagartig abnahm. Aussehen spielt nun mal eine Rolle, immer.
Ich lese sowieso nur wenige ausgewählte Blogs, die die richtige Mischung an Unterhaltung (was für mich auch bedeutet: dass ich was lernen kann) und kurzen Texten bieten. Es gibt so viel zu entdecken und tun die ganze Zeit, da lese ich doch keine Romane. Schreiben noch eher. Auch wenn meine Themen zugegebener Massen nicht weltbewegend wichtig sind. Ich bin glaub ein Ego-Schwein. Die Welt dreht sich um mich. Andere Menschen sind nur sich bewegende Baumstämme. Gross dann die Ueberraschung, wenn der Schmerz aus ihnen herausbricht. Ich denke, deswegen ist Postsecret so erfolgreich. Weil wir einen kurzen Moment die grosse Angst eines anderen Menschen sehen können. Hinter die Hülle, die Maske, die unversehrt und gesund aussieht.
Die letzten Tage verbringe ich plötzlich unfreiwillig stundenlang vor dem Computer und beantworte Mail um Mail. Das kann ich grundsätzlich nicht kurz, ausser es geht drum, einen Termin zu fixieren. “Hi Süsse. Montag 18 Uhr ist OK, freu mich, bis dann. Nicole” liegt drin. Alles andere braucht komplexte Erklärungen oder löst Assoziationsketten aus. Kein Wunder, dass ich da nicht antworten mag.
Was für ein Glück, dass ich mit und im Internet arbeiten kann und darf.
Heute Morgen war ich arbeiten. Auf dem Heimweg hatte ich wie meistens den mp3-Player an, und weil ich bisher noch nicht herausgefunden habe, wie man im Sansa e260 Playlisten erstellt, den Random drin.
Plötzlich “blieb mein Gehör am Text hängen” (um mal das “blieb mein Blick an etwas hängen” etwas zu modifizieren):
I had nothing to say
And I get lost in the nothingness inside of me
(I was confused)
And I let it all out to find
That I’m not the only person with these things in mind
(inside of me)
But all that they can see the words revealed
Is the only real thing that I’ve got left to feel
(nothing to lose)
Just stuck, hollow and alone
And the fault is my own, and the fault is my own
[chorus]
I wanna heal, I wanna feel what I thought was never real
I wanna let go of the pain I’ve felt so long
(erase all the pain till its gone)
I wanna heal, I wanna feel like Im close to something real
I wanna find something I’ve wanted all along
Somewhere I belong
And I’ve got nothing to say
I can’t believe I didn’t fall right down on my face
(I was confused)
Looking everywhere only to find
That it’s not the way I had imagined it all in my mind
(so what am I)
What do I have but negativity
cause I can’t justify the way, everyone is looking at me
(nothing to lose)
Nothing to gain, hollow and alone
And the fault is my own, and the fault is my own
[repeat chorus]
I will never know myself until I do this on my own
And I will never feel anything else until my wounds are healed
I will never be anything till I break away from me
I will break away, I’ll find myself today
[repeat chorus]
Linkin Park – Somewhere I Belong
Das hat mich wie eine Faust getroffen. Ich hab das Lied lange nicht mehr gehört, es gibt andere auf der CD, die mir besser gefallen, aber gerade jetzt, in diesem Moment stelle ich fest, wie sehr ich mich in diesem Lied wiedererkenne.
Vor zwei Tagen hab ich auf Postsecret diese Karte gefunden:
Und einer meiner unveröffentlichten Beiträge enthielt den Titel oben und dieses noch unvollendete Gedicht:
Ich lebe täglich das Leben einer anderen Frau
Und wenn ich in den Spiegel sehe
Weiss ich nicht, wer das sein soll
Die da meinen Blick erwidert
Ich entschuldige mich immer wieder
Dass ich nicht sein kann wer ich sein möchte
Weil ich nicht weiss
Wer ich eigentlich bin
Seltsam, wie das alles zusammentrifft.
“Hast du eigentlich zwischen all diesen Worten jemals etwas gefunden?”
Ich schrieb den Satz zuende, setzte einen Punkt und beantwortete dann Beats Frage, ohne aufzusehen, um gleich weiterschreiben zu können: “Nein.”
“Was ist das denn für eine Frage?”, erklang Andreas pikierte Stimme, “Was soll sie denn zwischen den Worten finden?”
Komma, Punkt. Komma, Komma, Punkt.
Beat seufzte, als wäre das eine dumme Frage. Dennoch beantwortete er sie pflichtbewusst: “Alles Mögliche. Eine Welt. Ein Leben. Antworten. Sinn. Schönheit.”
Komma, Punkt. Komma, Punkt. Komma, Komma, Punkt. Punkt Punkt
Nein, ich hatte nie etwas gefunden. Vielleicht, weil da gar nichts war.
Sensationelle Kopfschmerzen weckten mich aus einem koma-ähnlichen Schlaf. Migräne, natürlich. Heute musste Freitag sein. Hatte ich rechtzeitig mein Migränemittel besorgt? Konnte ich mich überwinden, aufzustehen und eine Tablette zu nehmen? War die Welt mittlerweilen ohne mich untergegangen? … Moment, was war das mit der Welt?
Verwirrt schlug ich die Augen auf und schloss sie gleich wieder stöhnend. Das rote Licht stach mir wie Dolche in die Augen. „Na endlich bist du wieder bei uns“, hörte ich Beat sagen, und spürte, wie jemand versuchte, mir einen Eisbeutel unter den Nacken zu schieben. „Sorry, ich wollte dich nicht gleich K.O. schlagen, aber wir wussten wirklich nicht, wie wir dich wieder beruhigen sollten.“ Das Bedauern in seiner Stimme klang echt. Ich griff nach dem Eisbeutel und legte ihn mir auf Stirn und Augen. Atmete tief ein und aus. Eine starke Übelkeit hinderte mich daran, sofort heftig zu antworten. Irgendwo im Hinterkopf fiel mir ein, dass dies das Symptom einer Gehirnerschütterung sein kann. Hoffentlich hatte Beat mich nicht so fest erwischt. Gerade wollte ich einen so klaren Kopf wie möglich bewahren.
„Was ist denn passiert?“, fragte ich, und versuchte mich vorsichtig aufzurichten und die Augen zu öffnen. Offenbar hatten die anderen mich wieder ins Haus von Beats Eltern gebracht und aufs Sofa gelegt. Das gespenstische rote Licht von draussen fiel immer noch durch die Fenster. „Du hast dieses rote Ding am Himmel angestarrt und bis dann zusammengebrochen. Weinend auf die Knie gefallen, hast komische Sätze von dir gegeben. Hanna war nicht so beängstigend wie du. Ich schlug vor, dir eine Ohrfeige zu geben. Beat war wohl etwas eifrig“, erklärte mir Annabelle und reichte mir eine eiskalte Dose Cola. Ich nippte vorsichtig daran. „Apropos Hanna. Wo ist sie?“, fragte ich.
„Wir haben sie oben in ein Bett gesteckt. Sie ist gleich eingeschlafen.“ „Na toll, gerade ist die Apokalypse in vollem Gange, und Hanna verschläft sie. Gute Christin“, kommentierte ich übel gelaunt. Beat kicherte. „Aber vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee“, murmelte Annabelle nachdenklich. „Wegen der zu erwartenden Schmerzen, dem letzten Gericht und so?“, fragte ich nach. Annabelle sprach kopfschüttelnd aus, worüber ich mir noch keine Gedanken zu machen gewagt hatte: „Überlegt doch mal. Wir sind bisher mit dem Auto davon gefahren. Weg von diesem Loch im Himmel. Angenommen, Hanna hat recht, und da draussen ist tatsächlich gerade der Weltuntergang im Gange: Wohin könnten wir gehen? Am Ende wird doch alles zerstört sein, nichts mehr, das existiert. Ob wir hier bleiben, zurückgehen oder weiter wegfahren, es spielt keine Rolle. Wir können uns den Geschehnissen nicht entziehen.“
Die Stille wog schwer zwischen uns. Wir sahen uns nur an. Annabelle hatte ausgesprochen, was wir anderen nicht aussprechen, nicht mal denken wollten. Was sollten wir tun? Plötzlich fühlte ich mich unendlich müde und erschöpft.
„Ich würde vorschlagen, wir gehen ebenfalls schlafen. Es ist sicher schon spät…“, ich hob meinen Arm und blickte auf meine Uhr. Sie war um fünf vor zwölf stehen geblieben. Ich verzog das Gesicht. Sogar meine Armbanduhr war an dieser Apokalypse beteiligt, auf eine sehr pathetische Art und Weise, „… Sollte die Welt in der Zwischenzeit untergehen, verpassen wir zwar das Spannendste, aber ich mag gerade nicht denken. Ich möchte nur mein Kopfweh wegschlafen und mich etwas ausruhen.“ Annabelle und Beat nickten stumm und schienen mir auch plötzlich erschöpft zu sein. Schweigend gingen wir in den ersten Stock und legten uns in das Bett von Beats Eltern.
Durch das Fenster fiel rotes Licht.
Als mich an einem Freitagmorgen mitten im Hochsommer beim Blick aus dem Fenster eine glitzernde Schneedecke begrüsste, wusste ich, dies war wieder einer jener Tage.
Meine Nachbarn, die ich bisher alle für Phantome gehalten hatten, drängten sich im Treppenhaus. Frau Gamsel bemerkte wohl meinen verwirrten Blick. Ich war erstaunt, wie alt sie war. Von ihrer Existenz wusste ich nur, weil sie immer den Wasserhahn der Waschmaschine offen liess, wenn sie vor mir Waschtag hatte. Diese kleine, dürre Frau hatte eindeutig nicht die Kraft, den Hahn wieder zu zu schrauben.
Frau Gamsel also klärte mich auf, dass eine Filmgesellschaft unser Wohnquartier in Beschlag genommen hatte. Natürlich waren alle Mieterinnen und Mieter rechtzeitig mittels Handzettel informiert worden. Dumm nur, dass ich vor einigen Wochen meinen Briefkastenschlüssel verlegt hatte, und somit von nichts wusste. Frau Gamsel übernahm gerne die Rolle der Informantin.
Es handelte sich um eine wichtige Hollywood-Produktion, und die Nachbarn versuchten nun, einen Blick auf die berühmten Schauspieler zu erhaschen, die mitspielen sollen. Leider konnte Frau Gamsel sich nicht erinnern, wie die Schauspieler hiessen. Ihr Gedächtnis war auch nicht mehr das jüngste, und diese neumodischen Schauspieler tauchten auf und gleich wieder unter. Früher, da war das noch anders, mit einem Tony Curtis, einem Frank Sinatra oder einem James Dean. Ich verkniff mir, sie darauf hin zu weisen, dass James Dean ja wohl auch “frühzeitig abgetaucht” war.
Auf dem Handzettel waren wir Quartierbewohner gebeten worden, von 8.00 bis 10.00 Uhr unsere Häuser nicht zu verlassen, um ja nicht den teuren Kunstschnee zu zertreten.
[to be continued, wenn mir eine Pointe einfällt
]
Endlich habe ich es geschafft, alle bisherigen Geschichten nach kopfchaos.ch zu kopieren.
Mein Wunsch und fester Vorsatz ist es, jede Woche mindestens eine neue Geschichte hinzu zu fügen. Gerne auch mal wieder eine längere. Muss mich aber erst wieder einlesen *g*.
Wer also noch an dem Projekt Interesse hat, hier gehts weiter:
http://www.kopfchaos.ch/shortstory-projekt.html
