Wunden

Das Licht der Welt entschwindet... Und kehrt zurück...

Dunkelheit bricht auf, mitten aus meinem Herzen, weinend liegt es da...

 
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23.11.02 - 18:15

Es herrscht Krieg in der Schweiz

Wie es angefangen hatte wusste niemand mehr. Die Alten hatten es kommen sehen. Sie rochen den Krieg, obwohl nicht mehr viele von ihnen übrig waren, die den letzten Krieg überlebten. Die Schweizer hätten sich auch mit diesen Erinnerungen keine Sorgen gemacht. Die Schweiz ist ein sicheres Land, das Leben fliesst ordentlich und ruhig dahin.

Natürlich begann es leise, denn alle Kriege beginnen leise. Das weiss nur niemand, weil ein Krieg unerwartet und mit einem Knall da ist. Doch ein Krieg beginnt schon viel früher.

In manchen Kantonen wurden die Einbürgerungsgesuche der Ausländer nicht mehr angenommen. Zürich führte eine 3jährige Probezeit ein. In manchen Betrieben wurden Menschen gemobbt, weil sie italienisch aussahen. Oder weil sie Balkan-Namen hatten. Ueber die Leute wurde schlecht geredet, auch wenn sie schon viele Jahre in der Schweiz wohnten.

Der Fremdenhass dehnte sich aus, wurde öffentlich. An den Wänden hingen Plakate "Raus mit allen Ausländern, die Schweiz den Schweizern!" und manche Häuser wurden mit Eiern beworfen. Die Gemeinden führten Schikanen gegen Ausländer ein, die Kantone Gesetze.

Der Rassenhass wirbelte den Leuten durch den Kopf. Auf offener Strasse kam es zu Beschimpfungen. Und eines Tages zu einer Schlägerei. Mehrere Schweizer, Leute vom Balkan, zwei Schwarze und ein Inder lieferten sich eine Prüglerei. Am Ende war der Inder tot.

In den nächsten Wochen nahmen die Belästigungen zu, und die Ausländer verliessen hastig das Land. Auf den Flughäfen waren alle Flüge ausgebucht, egal wohin: Borneo, Indien, Amerika, Südafrika. Wer konnte floh mit dem Auto. Die Autobahnen an den Schweizer Grenzen waren verstopft mit flüchtenden Familien, die so viel von ihrem Hab und Gut zu retten versuchten, wie es ging. Man fand ein ausgebranntes Auto in ländlicher Umgebung. Die Familie, eine Frau, ein Mann, zwei Mädchen, waren darin verbrannt. Sie wollten nicht aussteigen, denn der Wagen war von mordgierigen Jugendlichen umkreist.

Wohnungen waren verlassen, Besitzer auf unbekannt verzogen. Chinesische Restaurants standen leer. Russische Bordelle gähnte ihre Besucher an. Kebabstände waren verrammelt.

Die Schweizer wirbelten über das früherige Eigenttum der Ausländer, verwüsteten Häuser, Restaurants, Bordelle und Kebabstände. Doch sie waren noch nicht zufrieden.

In der Schweiz brach ein Bürgerkrieg aus. Die Mordgier leuchtete den Leuten in den Augen. Die Männer holten ihre Sturmgewehre aus den Schränken. Die Frauen nahmen Messer zur Hand. Kinder bauten ihre Schreckpistolen um. Niemand kannte Angst, niemand kannte Erbarmen.

Die Strassen waren getränkt mit Blut, Leichen lagen über Leichen. Die Lebensmittelläden waren verwaist, die Schulen, die Behörden. Das Ausland versuchte Druck zu machen, schliesslich lagerte ihr Geld in Schweizer Banken. Doch die Schweizer ergaben sich den anrückenden Armeen nicht. Wie Guerillias versteckten sie sich in ihren Alpen, schossen mit Granaten zurück, wo sie mit Maschinenpistolen angegriffen wurden. Das Ausland schickte Flugzeuge, um die Alpenverstecke zu beschiessen, doch das war nutzlos. In einem anderen Land diskutierte man, über der Schweiz eine Atombombe abzuwerfen.

Der Krieg wurde später in den Geschichtsbüchern als 'Volksirrsinn' bezeichnet. Man schrieb von Kindern die hungerten, von Frauen die brutal vergewaltigt wurden, von Männern die mit abgeschossenem Kopf durch die Gegend torkelten und weiter Menschen umbrachten. Man schrieb von Blutlachen, die den Zürichsee rot färbten und von Verwundeten, die sterbend noch jemand erdrosselten. Man sprach von Guerillas, die aus den Bergen ganze Städte bombadierten und von zerstörten Häusern. Und das alles war wahr.

23. November 2002

 

Diese Geschichte fiel mir spontan zum Song '99 Luftballons' von Nena ein. Ich war heute in einem Feng Shui-Kurs. Es war sehr spannend. Ich werde mnehr schreiben, weil mein Doc meinte, ich wünsche mir, Schriftstellerin zu sein. Damit hat er natürlich recht. Ich brauche einen Drucker!

Ueberlebensliste, Stand 23. November 2002

  1. Neues Handy (organisiert, aber noch nicht abgeholt/bezahlt)
  2. Drucker für mein Laptop
  3. Aquarium (klein...sehr klein wegen Pflegeaufwand, aber angemessene Umgebung für die Fische!)
  4. Pircing
  5. Tatoo
  6. Digitalfotokamera
  7. Kleines Laptop (das lustige kleine weisse IBook)
  8. ...
  9. Digitalfilmkamera inkl. Schneideprogramm (Mac?)
  10. Ferien auf den Malediven
Ach ja, natürlich hab ich wieder was wichtiges vergessen: Mein Doc meinte, ich solle doch mein Onlinetagebuch veröffentlichen. Am Donnerstag hab ich ihm zum ersten Mal davon erzählt. Er war sichtlich damit beschäftigt. Was das Schlimmste ist? Ich finde die Idee langsam richtig gut. Ich kann ja noch einiges Fiktives dazwischen einstreuen, damit man nicht so merkt, was real ist und was nicht. Am liebsten würde ich jetzt schreiben, wie findet ihr die Idee *lach*. Aber eigentlich interessiert mich das nicht gross, oder doch, aber ich mach am Schluss sowieso, was ich will :-)

Bin momentan etwas down mit meinem Gefühlen. Fühle mich, als würde ich auf Sparflamme fühlen. Das ist angenehm. Auch wenn es mich etwas traurig macht. Das einzig gute an meinen depressiven Phasen war, dass ich mich unheimlich lebendig fühlte. Ich glaub, ich wiederhole mich.

Mein Doc meinte dann, dass ich andere für mich leben lasse. Ich hab da mal was gelesen, so von wegen: du saugst andere aus wie ein Vampier, machst dir ihre Erfahrungen zu eigen. bin ich so. Er sagte auch, ich habe es mir in meiner Einsamkeit schon sehr gemütlich gemacht. Mein Gott, gleich fange ich zu heulen an *kurzauflach*. Irgendwie ist das der traurigste Satz, den ich jemals in meinem Leben gehört habe. Und das er auch noch mich betrifft macht mich unendlich traurig. Ich hoffe, das ist kein Selbstmitleid. Ich glaube, dieser Satz würde mich auf jeden Fall traurig machen, auch wenn jemand anderer betroffen wäre. Ich lese immer noch '253' und einer der 252 Passagiere steht kurz vor der Arbeitslosigkeit und weiss nicht, wie sein Leben weitergehen soll. Diese Hilflosig- und Perspektivenlosigkeit wollte ich in meinem Leben immer vermeiden. Das ist mein Albtraum. Und einer der Gründe, wieso ich die Kanti abgeschlossen habe: ich habe ein gutes Fundament, kann fast alles lernen, was ich will. Dieses Wissen hat mir Sicherheit gegeben für mein Leben. Und nun sitze ich in meiner Einsamkeit und weiss nicht, wie raus da. Ich würde gerne Drogen nehmen. (Nein, Surmontil zählt nicht). Ich würde das alles am liebsten vergessen. Einfach nicht daran denken. Es stimmt, ich bin Einsam. Und ich sehe keinen Weg, der mich da rausführt. Ich war schon immer einsam, doch als ich noch bei meiner Familie wohnte, fiel mir das nicht so gross auf. Ich war immer einsam, wie soll ich das jetzt plötzlich ändern?

Ach, genug davon. Blödsinn, ich bin hier am rumflennen und mein Make-Up läuft mir die Wangen runter. Sowieso Zeit, meine Wäsche in die Maschine zu werfen...